Was soll ich bloß sagen? Eine Frage, die vielen Introvertierten, Schüchternen und Sensiblen häufig durch den Kopf geht. Oft gerade dann, wenn sie neue Leute kennenlernen und Smalltalk führen wollen.

Introvertierte sind nicht gerade dafür bekannt, Meister im Smalltalk zu sein. Aber warum eigentlich nicht? Weil Smalltalk nur etwas für Extrovertierte ist? Weil Introvertierte dazu verdammt sind, sich in Gesprächen immer wieder diese eine Frage zu stellen: Was soll ich sagen?

Nein und nein.

Introvertierte können genauso gut Smalltalk führen wie Extrovertierte

Ich kann dich beruhigen. Introvertierte können genauso gut Smalltalk führen wie Extrovertierte – wenn sie es wollen.

Wichtig ist dabei nur, dass wir unser Energielevel im Auge behalten. Denn Introvertierte verlieren durch den Kontakt mit anderen Menschen nach und nach ihre Energie. Du kannst dir das Energiesystem von Introvertierten vorstellen wie einen Akku, der sich bei Nutzung entlädt, irgendwann leer ist und dann wieder aufgeladen werden muss. Extrovertierte dagegen werden wie Windräder durch die Reize im Außen angetrieben und bekommen dadurch Energie.

So können viele Introvertierte und Sensible in Einzelgesprächen total aufgehen, aber in Gruppen geht ihnen schnell die Energie verloren. Denn je mehr Menschen um sie herum sind, desto mehr Eindrücke müssen sie aufnehmen – und dementsprechend auch mehr Energie dafür aufwenden, um diese Eindrücke zu verarbeiten.
Um auch noch für andere wichtige Dinge genügend Energie zur Verfügung zu haben, ist es deshalb für Introvertierte besonders wichtig, ihre Energie vorausschauend einzusetzen.

Es ist also nicht so, dass Introvertierte von Natur aus mies im Smalltalk sind. Das eigentliche Problem ist, dass wir eine falsche Vorstellung davon haben.

Viele Introvertierte hassen die Oberflächlichkeit von Smalltalk und würden am liebsten direkt über tiefgehende Themen sprechen. Mir ging es auch lange so, bis ich Smalltalk von einer anderen Seite betrachtet habe: Das Vertrauen, das es braucht, um tiefgehende Gespräche zu führen, müssen wir uns erstmal verdienen. Und genau das tun wir durch Smalltalk – wir bauen Vertrauen auf.

Wofür brauchen wir Smalltalk?

Wozu ist Smalltalk gut? Hauptsächlich für drei Dinge:

  1. Jemanden neu oder besser kennenlernen
    Beim Smalltalk klappern wir die Basics ab: Woher kommst du? Was machst du beruflich? Was für Hobbys und Interessen hast du?
    Wir schauen, ob wir Gemeinsamkeiten oder interessante Aspekte finden, über die wir später ausführlicher sprechen können.
  2. Sich aufeinander einstimmen
    Beim Smalltalk plaudern wir über unverfängliche Themen, zu denen jeder etwas sagen kann. Damit nehmen wir einander nach und nach die Unsicherheit des unbekannten Terrains, sodass wir uns entspannen und immer mehr zeigen können, wer wir wirklich sind. Durch diesen Prozess können wir dann erkennen, ob wir mit einer Person auf einer Wellenlänge sind (und ob es sich dementsprechend lohnt, mehr in die Beziehung zu investieren) oder nicht.
  3. Spaß haben und neue Impulse bekommen
    Smalltalk darf und soll Spaß machen! Du bekommst neue Impulse, erfährst etwas Interessantes über dein Gegenüber und fühlst dich im wahrsten Sinne des Wortes gut unterhalten.

Jetzt denkst du dir vielleicht: Schön und gut, aber wie schaffe ich es überhaupt, mit jemandem ins Gespräch zu kommen? Du hast vollkommen recht, in Sachen Smalltalk gibt es wohl kein größeres Hindernis, als den Gesprächseinstieg.

Erst machen wir uns ewig Gedanken darüber, was wir sagen könnten, formulieren diesen Satz dann noch 20 Mal im Kopf um und wenn wir uns dann endlich gedanklich etwas Passendes zurechtgelegt haben, ist der Moment schon wieder vorbei. Kommt dir das bekannt vor?
Dabei muss der Einstieg in ein Gespräch gar nicht perfekt sein – meistens kommt es gar nicht so sehr darauf an, was du sagst, sondern vielmehr darauf, dass du etwas sagst.

Um dir Gesprächseinstiege etwas zu erleichtern, habe ich dir hier ein paar Anregungen aufgelistet:

Smalltalk starten: Einfache Gesprächseinstiege

1. Fragen stellen

Vieles von dem, wofür du normalerweise dein Handy befragen würdest, kannst du auch als Gesprächseinstieg nutzen.
Du bist in einem unbekannten Stadtteil und fragst dich, wo es in der Nähe ein gutes Restaurant gibt? Wo die nächste Eisdiele ist? Statt dein Handy herauszuholen, sprich doch einfach eine sympathisch aussehende Person an und frag sie danach.

Beispiele, um mit Fremden im Alltag Smalltalk zu führen:

• „Darf ich Sie kurz was fragen? Ich wohne zwar schon seit zwei Jahren hier, aber habe bisher noch kein richtig gutes italienisches Restaurant gefunden. Hätten Sie vielleicht einen Tipp?“

• „Ich war noch nie hier in der Gegend, weißt du vielleicht, wo man hier in der Nähe einen wirklich guten Kaffee bekommt?“

• Im Café: „Stimmt es eigentlich, dass Sojamilch viel bitterer schmeckt als normale?“

• Bei der Konditorei in der Schlange: „Was meinen Sie, was sündhafter ist: Der Brownie oder der Streuselkuchen? Ich kann mich einfach nicht entscheiden!“

• Beim Shoppen: „Kann ich Sie kurz nach Ihrer Meinung fragen: Finden Sie, dass mir diese Farbe steht?“

Beispiele für Smalltalk mit Kollegen, Verwandten oder Bekannten:

• „Wie war dein Wochenende?“

• „Und was habt ihr so fürs Wochenende geplant?“

• „Was beschäftigt dich gerade am meisten?“

• „Was hast du in den letzten Wochen Spannendes gemacht?“

2. Ein Statement machen

Hier nutzt du etwas, das du in deiner Umgebung bemerkt hast oder etwas, das in dir vorgeht:

• „Puh, ist das warm draußen – da kommt man ja schon im Schatten ins Schwitzen!“
• „Ich weiß nicht warum, aber ich überlege schon die ganze Zeit, wie diese Kinderserie mit dem Küken mit der Eierschale auf dem Kopf hieß. Weißt du, welche ich meine?“
• „Geht es nur mir so, oder ist es ziemlich kalt hier drin?“
• „Ich hab heute Morgen einen Artikel über (Thema einfügen) gelesen. Da ging es um die Frage, ob (Frage aufwerfen) – fand ich total spannend. Was meinst du dazu?“
• „Den Song kenne ich noch gar nicht! Weißt du, wer den singt?“

3. Der Evergreen-Spruch für Partys und andere Veranstaltungen

Bei Partys, Networking-Events, (Sport-)Kursen oder Seminaren: Überall, wo mehrere Menschen aufeinandertreffen und die Erwartung im Raum schwebt, dass sie sich kennenlernen und unterhalten sollten, kannst du einen simplen Spruch verwenden:

„Hey, ich glaube, wir kennen uns noch nicht. Ich bin (füge deinen Namen ein).“

Diese Aussage impliziert, dass ihr euch eigentlich schon kennen solltet (und auch, dass du eine kommunikative Person bist, weil du das Gespräch suchst). Danach kannst du Fragen stellen wie z. B.: „Wie gefällt es dir hier? Was führt dich hier her? Wie bist du darauf gekommen, zu dem Kurs zu gehen? Woher kennst du (Name des Gastgebers)?“

Bonus Tipp: Gesprächseinstieg in Gruppengesprächen

Auch innerhalb eines Gespräches – gerade in Gruppen – ist es nicht immer leicht, zu wissen, wann man selbst etwas einwerfen kann oder soll. Schließlich wird dich nicht jedes Mal jemand direkt ansprechen oder dir eine Frage stellen. Trotzdem ist das kein Grund, nur zuzuhören.
Es ist vollkommen okay, auch ohne eine direkte Aufforderung etwas zum Gespräch beizutragen. Warte ab, bis jemand seine Erzählung bzw. seinen Satz beendet hat und nutze diese kurzen Pausen, um deine Meinung dazu zu teilen oder wiederzugeben, was bei dir angekommen ist (mehr dazu weiter unten bei „höre aktiv zu“).

Damit bringst du dich immer wieder in Erinnerung und du wirkst auf andere nicht mehr nur wie ein stiller Zuhörer.

Wenn du es mit diesen Gesprächseinstiegen geschafft hast, mit jemandem ins Gespräch zu kommen, geht es natürlich als Nächstes darum, das Gespräch aufzubauen und aufrecht zu halten.

Du möchtest spannende Gespräche führen, nicht zu Interview-mäßig rüberkommen und am besten nie wieder sprachlos dastehen, richtig? Dann merk dir unbedingt die nächsten 5 Tipps!

5 Smalltalk Tipps, mit denen du nie wieder sprachlos da stehst

1. Höre aktiv zu

Viele Menschen behaupten von sich, dass sie gut zuhören können. Bei den meisten sieht das dann ungefähr so aus: Sie nicken und murmeln immer mal wieder ein zustimmendes „Mhm“. Das Gespräch bleibt dadurch einseitig, irgendwann ist die andere Person fertig mit ihrem Monolog und es entsteht Raum für eine peinliche Pause.
Um das zu vermeiden, eignet sich das aktive Zuhören. Du brauchst dabei keine eigenen Themen einwerfen, sondern gehst einfach nur direkt auf das ein, was dein Gegenüber ausgedrückt hat.

Das hat gleich zwei riesige Vorteile: Erstens, deine Gesprächspartner fühlen sich von dir wahrgenommen und verstanden. Zweitens, du hältst das Gespräch am Laufen, ohne den Druck zu haben, dir selbst etwas ausdenken zu müssen – perfekt für Introvertierte und Schüchterne.

Klingt fantastisch? Dann lies hier weiter, wie das aktive Zuhören funktioniert:

Gehörtes zusammenfassen oder Rückfragen stellen
Du fasst zum Beispiel das Gesagte noch mal in eigenen Worten zusammen oder stellst Rückfragen dazu, um dich zu vergewissern, dass du alles richtig verstanden hast.

• „Hab ich das richtig verstanden, dass du …?“

• „Das heißt also …“

Gefühle/Bedürfnisse widerspiegeln:
Wenn du Gefühle oder Bedürfnisse widerspiegelst, zeigst du anderen deine empathische Seite:

• „Das hört sich so an, als wärst du sehr glücklich …“

• „Du fühlst dich also verunsichert/erleichtert/…“

• „Für dich ist Sicherheit/Vertrauen/… also besonders wichtig.“

Generelle Rückmeldung
Außerdem kannst du generelle Rückmeldungen geben:

• „Ich verstehe, was du meinst.“

• „Das ist wirklich spannend.“

Und natürlich darf auch die nonverbale Kommunikation nicht fehlen: Nicken, Blickkontakt und entsprechende Mimik.

Das Spannende ist: Aktives Zuhören lädt deine Mitmenschen oft automatisch dazu ein, noch weiter ins Detail zu gehen.

2. Stell offene Fragen

Ist es dir beim Smalltalk schon öfter passiert, dass einfach kein angenehmer Gesprächsfluss entstehen will? Du denkst dir immer wieder neue Fragen aus, aber das Gespräch ist oft so schnell wieder beendet, wie es angefangen hat? Das kann daran liegen, dass du viele geschlossene Fragen stellst, statt offene.

Was ist da der Unterschied?

Geschlossene Fragen kannst du mit Ja oder Nein beantworten.

Beispiele:
• Hat dir der Film gefallen?

• Du bist aus Berlin? Ist es schön dort?

• Hast du Geschwister?

Bei geschlossenen Fragen kommt schnell mal das Gefühl auf, interviewt zu werden – was beim Smalltalk wohl keiner gerne mag. Außerdem musst du immer wieder neue Fragen stellen, um das Gespräch am Laufen zu halten. Ziemlich anstrengend, oder?

Beides kannst du mit offenen Fragen vermeiden. Das sind Fragen, die man nicht mit Ja oder Nein beantworten kann. Stattdessen muss man etwas mehr erzählen und seine Meinung, Erfahrung oder Wissen zu einem bestimmten Thema teilen.

Du erkennst offene Fragen daran, dass sie mit den bekannten W-Wörtern beginnen: Wer, was, wie, wann, wo und warum.

Beispiele:
• Wie hat dir der Film gefallen?

• Wie gefällt es dir in Berlin?

• Wie bist du darauf gekommen, Architekt zu werden?

• Warum hast du dich dazu entschieden, das Studium abzubrechen? Was für eine Geschichte steckt dahinter?

3. Frag andere nach ihrer Meinung

Wie vermittelst du anderen Menschen das Gefühl, wertgeschätzt zu werden, und bringst gleichzeitig ein Gespräch in Gang? Indem du sie nach ihrer Meinung fragst! Diese Smalltalk Methode kannst du übrigens immer verwenden – egal, ob du jemandem gerade zum ersten Mal begegnest oder mit einer langjährigen Freundin sprichst.

• Allgemein: „Hey, kann ich dich kurz was fragen? (Frage zu irgendeinem Thema einfügen, das dich interessiert)“

• Auf der Familienfeier oder bei Freunden: „Ich hab mal eine Frage an dich: Was glaubst du, ist der wichtigste Faktor, damit eine Langzeitbeziehung funktioniert? Ihr seid ja schon ziemlich lange verheiratet und ich würde gern mal deine Meinung dazu hören.“

• Weitere Beispiele: Stimmt es, das …? Was würdest du machen, wenn …? Wie findest du …?

Von dieser Technik profitieren beide Seiten: Du bringst das Gespräch (wieder) zum Laufen und erfährst ganz nebenbei etwas Interessantes über die andere Person – und dein Gegenüber kann seine/ihre Sichtweise und Erfahrungen weitergeben und freut sich, dass du dich für ihn/sie interessierst.

4. Beantworte Fragen nicht wortwörtlich

Wenn dich jemand fragt, wie es dir geht, ist das oft einfach eine Einladung, irgendetwas zu erzählen und ein Gespräch aufzubauen. Die meisten Menschen beantworten diese Frage allerdings eher kurz und knapp: „Gut, und dir?“ Dann antwortet der andere mit: „Auch.“ Und schon war’s das wieder mit dem Smalltalk.

So kann sich kein spannendes Gespräch entwickeln und beide Parteien sind immer damit beschäftigt, sich ständig zu überlegen: Was soll ich sagen? Was kann ich als Nächstes fragen? Smalltalk kommt erst dann in den Flow, wenn eine Partei etwas einwirft, woran die andere anknüpfen kann. Und das kannst du auch direkt bei dieser simplen Einstiegsfrage tun – zum Beispiel so:

„Wie geht’s dir?“
„Gut soweit – ich hab nur wahnsinnigen Muskelkater vom Sport gestern und hab ewig gebraucht, um die Treppen hochzukommen.“ (Daraufhin kann die andere Person fragen, was für Sport du gemacht hast, einwerfen, dass sie eigentlich sogar gerne Muskelkater hat, weil sie dann merkt, dass sie etwas getan hat oder, dass auch mal wieder zum Sport gehen müsste – woraufhin du fragen kannst, was für Sport sie am liebsten macht, usw.)

„Wie geht’s dir?“
„Ach, ich bin ziemlich müde. Ich hab gestern ein neues Buch angefangen und konnte einfach nicht aufhören zu lesen.“ (Daraufhin kann die andere Person fragen, was für ein Buch das war oder darauf eingehen, dass es ihr bei ihrer Lieblingsserie ähnlich geht – und du kannst fragen, ob sie das Buch kennt, was für Bücher sie gerne liest oder welche Serie sie gerne schaut, usw.)

Du kannst im späteren Verlauf des Gesprächs immer noch fragen, wie es deinem Gesprächspartner geht und was ihn oder sie gerade so beschäftigt.

Wichtig ist: Gespräche müssen keiner bestimmten Struktur folgen, Gespräche sollen interessant sein. Und das kannst du leicht erreichen, indem du Fragen nicht wortwörtlich beantwortest, sondern so, dass du etwas Interessantes einwerfen kannst. Indem du immer wieder kleine Brotkrumen fallen lässt, die deine Gesprächspartner aufheben können, wenn sie wollen (oder auch nicht).

Anmerkung: Es gibt natürlich auch Situationen, in denen jemand wirklich wissen will, wie es dir geht (z. B. eine gute Freundin, die dich das fragt, weil sie weiß, dass du krank warst). Dann kannst du die Frage natürlich wortwörtlich beantworten – was dich aber nicht daran hindert, danach trotzdem noch etwas Interessantes wie in den Beispielen oben einzuwerfen.

5. Beobachte deine Umgebung

Eine weitere einfache Methode ist die, deine Umgebung aufmerksam zu betrachten und deine Beobachtungen mit Geschichten aus deinem Leben zu verknüpfen.

„Das erinnert mich an …“

(Die Weinflasche könnte dich zum Beispiel an deinen letzten Urlaub erinnern, bei dem du eine Weinverkostung mitgemacht hast. Oder der Popcornduft im Kino an deinen ersten Kinobesuch als Kind, bei dem du …)

Ich muss zugeben, Smalltalk war für mich viele Jahre ein absolutes Horror-Szenario. Deshalb bin ich meinen Mitmenschen lieber aus dem Weg gegangen, um nicht jedes Mal sprachlos zu sein. Dass mir diese Vermeidungstaktik irgendwann auf die Füße gefallen ist – spätestens als es darum ging, beruflich voranzukommen – muss ich wohl nicht erwähnen. Aber dank dieser Strategien habe ich mich im Umgang mit anderen Menschen sehr viel wohler und sicherer gefühlt. Und ich hoffe, dass sie dir genauso weiterhelfen.

Erzähl mal: In welchen Situationen fehlen dir die Worte, wann stehst du sprachlos da? Welche der Strategien möchtest du bei der nächsten Gelegenheit ausprobieren?

PS: Dir haben die Strategien gefallen und du könntest direkt noch mehr davon gebrauchen? Dann schau dir unbedingt mal mein Kommunikationstraining genauer an.

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